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Unterwegs zu den Tagen der Klimakultur

Knapp 60 Kulturevents in ganz Tirol sind heuer Teil der Tage der Klimakultur. Viele davon erleben wir hautnah und sind dafür in ganz Tirol unterwegs – ein Erlebnisbericht von Eva Siller, Nico Knappe, Barbara Alt und Lisa Prazeller.

Los geht's: Eröffnungsfeier und Ausflug nach Landeck

Die Eröffnung der diesjährigen Tage der Klimakultur feierten wir mit rund 90 Gästen im VIER UND EINZIG in Innsbruck. Es war ein besonderer Abend mit zahlreichen Einblicken ins Programm der Tage der Klimakultur, Begrüßungsworten von Melanie Wiener vom Land Tirol und inspirierender Musik von Manu Delago.

 

Bei einem Ausflug zum Museum Schloss Landeck besuchten wir in der Turmgalerie die Doppelausstellung „Zukunft Alpen. Die Klimaerwärmung“ und „Waale & Piezen. Regionale Bewässerung“. Die Wanderausstellung des Deutschen Alpenvereins wurde mit Fotografien aus der Region von Julian Raggl erweitert und ins beeindruckende Ambiente des Schlosses eingebettet.

 

Im Rahmen der Langen Nacht der Museen konnten wir am 3.10. im TAXISPALAIS die tiefsinnige Ausstellung „Marwa Arsanios: Who is Afraid of Ideology?“ erleben. Führungen und ein Kinderworkshop brachten die vielschichtige Schau über widerständige Gemeinschaften, die ökologische, feministische und dekoloniale Praktiken vereinen, näher.

 

Die feld:schafft lud am 4.10. zum allmonatlichen Sonntagsgärtnern & Erzählcafé ein. Dort hatten wir zwischen Bohnen und Beeten die Möglichkeit, anderen zu begegnen und uns mit der Frage zu beschäftigen: „Wächst Frieden auf dem Acker?“ – ein spannender Dialog über Landwirtschaft, Geschmäcker und Gerechtigkeit.

Woche 2: Vom Landhaus nach Buch und zurück zum Nature Film Festival

Die Woche eröffnete das Klima-Netzwerktreffen des Landes Tirol am 5.10. Unser Highlight im Programm: „Eppas tuan“ der Theatergruppe Infektiös rund um Nik Neureiter – ein Stück über Ausreden, Verantwortung und Zusammenhalt angesichts der Klimakrise.

 

Am Abend konnten wir im Haus der Begegnung durch das Projekt „EZWK Moore – Wissen und Emotion“ beim Filmscreening von “Wie geht Natur?” die Geschichte des Naturschutzpioniers Michael Succow näher kennenlernen. Im anschließenden Gespräch wurden viele Fragen weitergesponnen: über die Wichtigkeit von Mut und Allianzen, die Bedeutung des Bodens und vieles mehr.

 

Am 7.10. brachte uns ein Filmabend bei Kultur am Land nach Buch in Tirol. „Das Flüstern der Wälder“ begleitet drei Generationen auf den Spuren des Unsichtbaren in der unberührten Natur: Zwischen Zuhören, Stille und genauem Hinsehen in einer imposanten Bildwelt wird wieder gemeinsam das Staunen gelernt.

 

Das ganze Programm des Innsbruck Nature Film Festivals passt ins Programm der Tage der Klimakultur. Besonders gefreut haben wir uns auf „Klima, Krise, Kunst“ am 8.10. im Metropol-Kino – ein Film über Künstler*innen, die der Klimakrise etwas entgegensetzen wollen und sich gleichzeitig die Frage stellen: Welchen Impact hat mein Handeln auf den Planeten? Danach durften wir dem Publikum Frage und Antwort stehen.

 

Im Anschluss ging’s nach Mühlau ins KG17: Im ehemaligen Wasserkraftwerk fand die Finissage des Studierendenprojekts THREADS statt. Dazu war die Textildesignerin Barbro Scholz eingeladen, die über Performative Sample-Making mit Licht-Textil am Körper sprach. Danach streamte der Künstler Max Weisthoff in seiner Performance live aus dem Mühlbach: Mit einem Unterwassermikrofon und einer Live-Kamera wurden die Bewegungen und Geräusche des Bachs direkt zu uns in den Ausstellungsraum übertragen, wo Weisthoff sie zu einem vielschichtigen Klangkörper verarbeitete.

 

Am 8.10. und 9.10. durften wir die Ergebnisse einer VORBRENNER-Residency im BRUX bestaunen: Drága Cardo hat uns mit der Arbeit „Photosensitives“ in die Welt der ökologischen Super-8-Filmentwicklung eintauchen lassen. Lokale Pflanzen wurden gesucht, erspürt sowie als natürlicher Entwickler erprobt und dadurch Ausgangspunkt für Fragen über queere (Un-)Sichtbarkeit, Verbundenheit und Widerstandsfähigkeit.

 

Am 9.10. war Protect Our Winters im Rahmen ihres Waldfests zu Gast im Kulturbogen 55. Bei einem Klimaworkshop stimmten wir uns auf die Filmnacht ein, die mit „Blood Wood“ die Bedrohung von wilden Wäldern mit eindrucksvollen Bildern demonstrierte.

 

Nach Zirl verschlug es uns am 10. Oktober und zwar in das neue mikroVERSUM, einem interaktiven Ausstellungsraum von Uni Innsbruck und hollu Systemhygiene. Hier dreht sich alles um Mikroorganismen und wie diese unser tägliches Leben beeinflussen – bis hin zu den klimatischen Bedingungen auf unserem Planeten. Das mikroVERSUM ist immer Freiteag bis Sonntag von 12:00–18:00 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich.

Woche 3: Wir wachsen gemeinsam - Kunst, Kino & Co.

„Come and Grow“ lautet der Titel der Ausstellung, die aktuell in der Kunstbrücke Innsbruck nicht nur gesehen, sondern mit dem eigenen Körper erlebt werden kann: Die Künstler*innen Christa Sommerer und Laurent Mignonneau machen Kunst als lebendes System zugänglich. Mit jedem Schritt – ob langsam oder schnell, ob vor oder zurück oder querfeldein – verändert sich etwa die projizierte Naturlandschaft im Werk „Flaneur“. Am 12.10. läutete die Ausstellungseröffnung die neue Klimakultur-Woche ein.

 

Am 13.10. waren wir im WEI SRAUM Designforum, wo „Schmelzende Zeugen“ im Fokus standen. Das Thema Klimakommunikation wurde am Beispiel der Alpengletscher beleuchtet, mit spannenden Kurzpräsentationen von der Filmemacherin, Fotografin und Autorin Nina Maria Allmoslechner, dem Gebirgsforscher Wolfgang Gurgiser und dem Öko-Sozial-Designer Chris Matt.

 

Am 14. Oktober schauten wir zuerst im Haus der Begegnung vorbei, wo die Ausstellung „Common Ground“ von Roland Maurmair eröffnet wurde. 17 gezeichnete Bildwelten mit Gestaltungselemente des Jugendstils hat der Künstler geschaffen und sich dabei an den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDGs) orientiert. Kuratiert wurde die Ausstellung, die noch bis 9. Dezember zu sehen ist, von Martin Hörtnagl in der Reihe Artilog.

 

Dann ging es weiter ins Leokino zur Premiere von ATMOSPHERE. Der neue Film von Erwin Wagenhofer macht Mut und zeigt Lösungen für eine Zukunft, die ohne Ausbeutung von Mensch und Natur passiert: regenerative Landwirtschaft in Brasilien, Agroforst und Direktvermarktung in Deutschland, nachhaltiges Bauen mit Stampflehm in der Schweiz und in Afrika – im Mittelpunkt stehen inspirierende Menschen und ihre Ideen. Der Film läuft noch bis Ende Oktober.

 

In der Bäckerei Kulturbackstube wird kein Brot mehr, sondern Kultur gebacken. Trotzdem ging es dort beim Event der feld:schafft am 15.10. um unsere Ernährung. Beim Film „Wir ernten, was wir säen“ und anschließender Diskussion standen die Grundlagen unseres Ernährungssystems im Fokus. Wie kommt unser Essen auf den Teller – und wer hat Macht darüber, welche Nahrungsmittel wir überhaupt produzieren?

 

Woche 4: Kunst in Innsbruck und ein Abstecher nach Rietz

Vielleicht sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht. Vielleicht sehen wir den Wald aber auch nicht, weil die Baumansammlungen um uns herum gar keine „echten“ Wälder mehr sind. Wie sehr unsere Wälder kultiviert und ökonomisiert werden, darüber hat Angelika Wischermann eine Ausstellung gemacht: „Auf dem Holzweg: Spot on!“ Im Gespräch am 21.10. mit Johannes Reisigl ging es um Natur, Verbundenheit und den differenzierten Blick in den Wald. Die Ausstellung ist noch bis 7.11. in der Plattform 6020, der Galerie in der Innsbrucker Stadtbibliothek zu sehen.

 

In Rietz stand indes die brasilianische Künstlerin Rafaele Andrade auf der kleinen Bühne des GRUND1535-Dachbodens, die das Publikum auf eine Hörreise in die Welt experimenteller Klänge und Kompositionen mitnahm. Wie können Klang, Instrumentenbau und Musik auf politische und ökologische Kämpfe in Brasilien reagieren? Das war die Frage im Zentrum der Lecture Performance mit Listening Session, der die Gäste mit brasilianischem Punsch und in kuschelige Decken eingewickelt lauschten.

 

Am Freitag ging es schließlich in den Botanischen Garten. Mit Blättern, Steinen, Ästen und anderen Naturmaterialien gestalteten wir – umgeben von herbstlicher Stimmung – vergängliche Kunstwerke im Rahmen des Workshops „Magisches Land Art“. Dieser war in die Ausstellung „Im Blütenrausch“ eingebettet, die noch bis 12.11. bewundert werden kann.

Eva Siller

(geb. 2002) wuchs in Baumkirchen (Tirol) auf. Nach einer Ausbildung im Bereich Malerei und Design folgte das Studium der Kunstgeschichte in Innsbruck. Sie ist als Kunstvermittlerin und im Besucher*innenservice im TAXISPALAIS Kunsthalle Tirol tätig und daneben in der freien Kulturszene aktiv, in den letzten Jahren unter anderem bei der BALE Innsbruck und dem Verein kunst|stoff.

Nico Knappe

Redakteur beim Online-Medium JETZT zwischen Wien und Innsbruck. Ich bin ein neugieriger, offener Mensch – und staune täglich über die kleinen und großen Phänomene der Welt, der Gesellschaft und des Alltags: Warum ist das so? Wieso denkt der eine so – und warum handelt die andere so? In meiner journalistischen Arbeit geht es nicht um Eilmeldungen oder spektakuläre Schlagzeilen. Ich will Zusammenhänge in der Tiefe begreifen, von Grund auf verstehen und kritisch hinterfragen.

Lisa Prazeller

hat Kommunikationswissenschaften und Komparatistik studiert. Seit 10 Jahren ist sie bei Klimabündnis Tirol beschäftigt und setzt sich für wirkungsvolle Klima-Kommunikation ein. Seit 2021 ist sie stellvertretende Geschäftsführerin. Seit 2022 koordiniert sie die Initiative Klimakultur Tirol, gemeinsam mit Barbara Alt von den TKI. Klimakultur Tirol erforscht neue Wege der Klima-Kommunikation über die Mittel von Kunst und Kultur.

Barbara Alt

hat die Studien Germanistik, Anglistik & Amerikanistik sowie Lehramt (D/E) abgeschlossen. Als Mitarbeiterin der TKI koordiniert sie seit 2022 gemeinsam mit Lisa Prazeller das Projekt Klimakultur Tirol. Sie ist Obfrau der Kulturvereine Inseminoid und ZUNDER Festival und arbeitet seit September 2021 im Theater praesent als Technikerin mit. Seit 2024 ergänzt sie den Vorstand der IG Kultur Österreich in der Funktion der Obfrau-Stellvertreterin.

Die Tage der Klimakultur 2026 sind eröffnet!
Fotos: Alena Klingler

Exponate aus dem Museum Schloss Landeck der Doppelausstellung „Zukunft Alpen. Die Klimaerwärmung“ und „Waale & Piezen. Regionale Bewässerung“
Fotos: Eva Siller

Kinderworkshop & Kino im Rahmen der Ausstellung „Marwa Arsanios: Who is Afraid of Ideology?“ im TAXISPALAIS
Fotos: Eva Siller

Zu Gast am Weltacker beim Sonntagsgärtnern & Erzählcafé der feld:schafft
Fotos: Eva Siller

"Eppas tuan" der Theatergruppe Infektiös beim Klima-Netzwerktreffen des Landes Tirol (Fotos: Klimabündnis Tirol)

Filmscreening von “Wie geht Natur?” im Haus der Begegnung im Rahmen des Projekts „EZWK Moore – Wissen und Emotion“
Fotos: Eva Siller

Filmabend bei Kultur am Land in Buch in Tirol. „Das Flüstern der Wälder“
Fotos: Eva Siller

Zu Gast beim Innsbruck Nature Film Festivals mit dem Film „Klima, Krise, Kunst“
Fotos: Klimakultur Tirol

KG17: Finissage der Ausstellung THREADS im ehemaligen Kraftwerk Mühlau, bei der u.a. Max Weisthoff eine Performance gezeigt hat.
Fotos: Barbara Alt

VORBRENNER Residency im BRUX: Drága Cardo mit der Arbeit „Photosensitives“
Fotos: Eva Siller

Protect Our Winters war im Rahmen ihres Waldfests zu Gast im Kulturbogen55
Fotos: Eva Siller

Einblick in die Ausstellung im mikroVERSUM
Foto: Klimakultur Tirol

Künstlerin Christa Sommerer gibt Einblicke in die Arbeiten "Flaneur" und "Life Writer" in der Kunstbrücke Innsbruck (Fotos: Barbara Alt)

Wolfgang Gurgiser, Chris Matt und Nina Maria Allmoslechner im WEI SRAUM Designforum zum Thema "Schmelzende Zeugen" (Fotos: Nicola Weber)

Vernissage von Common Ground im Haus der Begegnung, Werke von Roland Maurmair
Fotos: Klimakultur Tirol

Premiere von ATMOSPHERE im Leokino Innsbruck
Fotos: Klimakultur Tirol

"Wir ernten was wir säen" - Filmgespräch von der feld:schafft
Foto: Nico Knappe

Johannes Reisigl und Angelika Wischermann im Künstlerinnengespräch zur Ausstellung „Auf dem Holzweg: Spot on!“
Foto: Nico Knappe

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