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Beim Kochen kommen die Leut‘ zamm

Das zeigte der 12. Treffpunkt Klimakultur am Innsbrucker Weltacker. Zwei Küchen mit ihren Designer:innen, viel Sonnenschein, gutes Essen und spannende Begegnungen.

Was passiert, wenn sich zwei Küchen auf einem Acker treffen? Das haben wir beim Treffpunkt Klimakultur am 24. Juli 2026 herausgefunden. Und das Ergebnis war erfreulich! Beim Kochen und Essen kommen ja bekanntlich die Leut‘ zamm – so sind viele unserer Einladung auf den Weltacker gefolgt und konnten zwei besondere Küchen kennenlernen: Die Solarküche „Fiumicina“ und die Lehmküche ÖKÜ – öffentliche Kücheneinheit.

Die Solarküche „Fiumicina“...

…ist für drei Wochen zu Gast am Weltacker in Innsbruck. Vorher stand sie in Bozen. Im Rahmen des Projekts FLUX der Kulturplattform Lungomare, entwickelten die Architektin Mascha Fehse und die Designerin Johanna Dehio dieses besondere Kochwerk.

 

Besonders eindrucksvoll ist der riesige Parabol-Schirm, der das Sonnenlicht einfängt und an einer Stelle bündelt – hier kann in einer Höhe von 2 Metern gekocht, gebacken und gegrillt werden. Mit einem Seilzug werden die Töpfe, Backformen oder Grillroste auf- und abgezogen. „Die Höhe war uns bei der Konstruktion wichtig, damit keine Verbrennungsgefahr besteht“, erklärt Johanna Dehio. Die „Fiumicina“ (Wortzusammensetzung aus dem italienischen Fiume – Fluss und Cucina – Küche, Anm.) sei als Prototyp gedacht.

„Schön wäre, wenn sich das Konzept der Solarküche im öffentlichen Raum etabliert. In Parks oder an Flüssen könnten Solarküchen fix installiert werden, damit alle Menschen Zugriff darauf haben und sich ihre Speisen mit der Kraft der Sonne zubereiten können“, so Mascha Fehse.

Die Sonne ist Fluch und Segen einer Solarküche. Bei unserem Treffpunkt Klimakultur sorgte strahlender Sonnenschein für ein ungetrübtes Kocherlebnis. „Wenn sich allerdings eine Wolke vor die Sonne schiebt, ist es mit einem Schlag vorbei“, so die Köch:innen. „Dann kann man nur mehr die Restwärme der Kochgeräte nutzen.“ Die Abhängigkeit von der Sonne mache gleichzeitig das besondere Tempo beim Kochen aus. Der Zeitpunkt des Kochens muss gut gewählt sein, ebenso die Ausrichtung des Parabol-Schirms – und dabei den Himmel immer im Blick behalten.

„Je nach Sonnenlage können wir einen großen Topf in 10 Minuten zum Kochen bringen oder einen Eintopf mehreren Stunden bei niedrigeren Temperaturen nachgaren“, erzählt Johanna Dehio. „Beim Warten auf die Sonne entstehen aber auch schöne Begegnungen und Gespräche.“

Eine Lehmküche für alle

Begegnungen ermöglichen und gemeinsam ins Tun kommen – die Idee der Solarküche „Fiumicina“ finden wir auch in der zweiten Küchen-Protagonistin an diesem Tag wieder: „Mit unserer ÖKÜ wollten wir einen Ort schaffen, an dem Menschen, unabhängig von Herkunft, Alter oder sozialem Background, aufeinandertreffen und miteinander ins Gespräch kommen können“, erklärt die Architektin Theresa Stillebacher. Gemeinsam mit Lino Lanzmeier und dem Kollektiv Aesthetic Athletics+ hat sie 2025 die Lehmküche ÖKÜ (öffentliche Kücheneinheit) am Weltacker in Innsbruck gebaut.

 

Die ÖKÜ bietet eine robuste Infrastruktur zum Waschen und Kochen – ausgestattet mit einem Pizzaofen, einem Kochbereich und einem Wasseranschluss – und wurde aus Stampflehm errichtet. Entstanden ist die Küche im Rahmen eines TKI open Projekts und steht allen Interessierten – nach Anmeldung und Einschulung – zur Verfügung.

„Der Weltacker ist der ideale Ort für unsere ÖKÜ – ein öffentlicher Ort, wo viele Menschen vorbeikommen und der von der Genossenschaft feld:schafft betreut wird“, so Lino Lanzmeier.

Gekocht und gebacken wird hier mit Holz und Feuer. Mit viel Liebe zum Detail wurde die quadratische Arbeitsfläche gestaltet. „Wir wollten keine langgezogene Kücheneinheit, auf der wie am Fließband gearbeitet wird. Hier kann man sich beim Kochen anschauen, reden und eine gute Zeit haben.“

Beide Teams verstehen ihre Küche nicht als reine Gebrauchsgegenstände und das Kochen nicht als simple Herstellung von Speisen. Die Küchen sind Kunstwerke, die Funktionalität und Gestaltung verbinden. Auch die zubereiteten Speisen überzeugen nicht nur geschmacklich, sondern ebenso ästhetisch. Vor allem aber wird Kochen hier als kulturelle Praxis verstanden – als soziales Ereignis, das Gemeinschaft stärkt und Begegnungen zwischen unterschiedlichen Menschen ermöglicht. Der 12. Treffpunkt Klimakultur war dafür ein gelungener Versuch.

 

Während die ÖKÜ ihren fixen Platz am Weltacker gefunden hat, zieht die Solarküche „Fiumicina“ Ende Juli weiter. Die Designerinnen Mascha Fehse und Johanna Dehio beenden damit die erste Klimakultur-Residency, die durch das EU-Programm culture moves europe ermöglicht wurde. Drei Wochen waren sie in Innsbruck – im Künstler*innenhaus Büchsenhausen – zu Gast und haben ihre Fiumicina nicht nur beim Treffpunkt Klimakultur, sondern auch im Wei sraum Innsbruck und im Caritas Integrationshaus vorgestellt. Wir bedanken uns und wünschen eine gute Weiterreise!

info

Über den Weltacker: Um über Ernährung und Lebensmittel zu sprechen, ist der Weltacker in der Innsbrucker Reichenau die ideale Adresse. Er ist ein Lern- & Gemeinschaftsort, der von der Genossenschaft feld:schafft betreut wird. Auf dem Weltacker werden Ackerkulturen im gleichen Verhältnis angebaut, wie sie auf den Feldern weltweit wachsen. Der Weltacker ist für alle jederzeit und kostenlos zugänglich, es können auch Workshops gebucht werden.

Bewunderung für die futuristisch anmutende Solarküche "Fiumicina".

Mascha Fehse und Johanna Dehio (von links) im Einsatz mit ihrer Solarküche.

Kohlrouladen und ganzer Karfiol - zwei der vielen Köstlichkeiten aus der Solarküche.

Fotos: Klimakultur Tirol

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