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Es werde Zirkus!

Zum zweiten Mal ging im Sommer das “Krapoldi im Park” über die Bühne. Oder besser gesagt über die Manege. Das fantastische Zirkusfestival ist nicht nur eine Bereicherung für die Innsbrucker Kulturszene, sondern spielt auch in Sachen Nachhaltigkeit große Stücke.

Das Maskottchen des Festivals ist ein Rabe aus Holz und heißt Krapoldi
Foto: Emanuel Kaser

Zwei Erfahrungen aus Innsbruck

  1. Ein Zirkus ist eine jährlich wiederkehrende Erscheinung am Stadtrand, die mit fragwürdigen Tiershows wirbt.
  2. Der Rapoldipark ist ein schöner Treffpunkt für Familien, liegt aber kulturell brach.

Beide Erfahrungen hebelt das Krapoldi aus. Ein Cirque Nouveau – ein zeitgenössischer Zirkus – lädt in den Rapoldipark ein und lässt die Grün- und Spielflächen in buntem Glanz erstrahlen. 

Von 31. August bis 5. September 2021 wurde dem Innsbrucker Publikum zum zweiten Mal ein buntes Programm geboten: Clownerie, neuer Zirkus, Straßenkunst und Umweltkrawall. Und auch wer keine Vorstellung besuchte, konnte bei einem Spaziergang durch den Park in eine fantastische Welt eintauchen: bunte Fahnen wehten im Wind, Moosgesichter schauten von Bäumen herunter, ein lebendiger Tisch ging vorbei – seinen Stuhl im Schlepptau, die Sonne schien und überall lachende Menschen. Heile Welt. Tatsächlich ist es das, was das Krapoldi schafft: ein Kurzurlaub vom Alltag mitten in Innsbruck.

Gespielt wird Zukunftsmusik

…oder zum Glück nicht, denn die nachhaltige Organisation des Krapoldi ist in der Gegenwart angekommen.

“Wir haben aber die Zukunft im Blick. Wir wollen, dass kommende Generationen ein gutes Leben auf unserem Planeten führen können. Deshalb achten wir bei der Organisation des Krapoldi darauf, so wenig Ressourcen wie möglich zu verbrauchen.”

Krapoldi-Nachhaltigkeitskoordinatorin Maria Plank
Baumgesichter während des Krapoldi Festivals.
Kreativität trifft Natur: Die Baumgesichter sind ein echter “Hingucker”. Sie werden vom Krapoldi-Team aus Naturmaterialien gebastelt und sind überall im Park anzutreffen.
© Die Fotografen
Bänder im Rapoldipark.
Re-Use ist die Devise: Alle Dekoelemente wie die Bänder, die die Bäume schmücken, sind aus Secondhand-Stoff und werden jedes Jahr wiederverwendet.
© Die Fotografen
Ein Radlenker vor dem Rapoldipark.
Mit dem Radl zum Krapoldi: Das Team achtet auf ausreichend sichere Radabstellplätze. Außerdem befindet sich in der Nähe eine Leihrad-Station der Innsbrucker Verkehrsbetriebe.
© Die Fotografen
Eine Straßenbahn fährt am Rapoldipark vorbei.
Ein Glücksfall ist die öffentliche Anbindung: Rund um den Rapoldipark gibt es zahlreiche Tram- und Bushaltestellen und auch der Innsbrucker Bahnhof ist einen Katzensprung entfernt. Wer muss da noch mit dem Auto fahren?
© Die Fotografen
Holz-Hämmer gab es beim Krapoldi zu kaufen.
Das etwas andere Give-away: Wer eine Erinnerung ans Krapoldi mit nach Hause nehmen wollte, konnte einen Hammer aus Treibholz erstehen. Jedes Stück ein Unikat.
© Die Fotografen
Selbstgebaute Zäune am Krapoldi Festival.
Alles selbstgemacht: Die Zäune am Festivalgelände entspringen den handwerklichen Händen von Teammitglied Walter Moshammer.
© Die Fotografen
Linsen-Gericht beim Krapoldi Festival.
Regional, saisonal, g’schmackig: Auch bei der Verpflegung wird auf Umweltfreundlichkeit geachtet. Nicht zuletzt durch die Verwendung von Mehrweggeschirr- und bechern mit Pfand.
© Die Fotografen
Green Events Tirol Fahne am Tisch des Krapoldi.
Ausgezeichnet! Für sein Engagement erhielt das Team des Krapoldi die Auszeichnung als GREEN EVENT TIROL von Klimabündnis und Umwelt Verein Tirol.
© Die Fotografen

Kein anderes Festival in Innsbruck kann mit einem so ganzheitlich nachhaltigen Konzept aufwarten, wie das Krapoldi. Dem Team geht es dabei nicht nur um ökologische Nachhaltigkeit – also die Schonung von Ressourcen – sondern auch um soziale Nachhaltigkeit.

“Wir wollten ein Festival für alle schaffen, ein großteils kostenfreies Kulturangebot im Park, barrierefrei zugänglich für Menschen jeden Alters und jeder Herkunft“

Künstlerische Beirat Walter Moshammer
Logo Green Events Tirol

Was ist ein Green Event?

„Ein Clown stolpert und steht wieder auf“

Manfred Unterluggauer ist in einer Doppelrolle beim Krapoldi: Zum einen zieht er – gemeinsam mit anderen – die Fäden hinter den Kulissen. Zum anderen tritt er mit seiner Partnerin Helga Jud als Clown-Duo “Herbert & Mimi” selbst in der Manege auf. 

Wir haben mit den beiden Clown:innen über das Krapoldi gequatscht und wollten herausfinden, ob Zirkus nur etwas für Kinder ist, und ob Clown:innen auch über ernste Themen reden dürfen.

Interview: Lisa Prazeller, Bild: Hannah Voglstätter, Schnitt: Carina Prem

Ein Star des Festivals: der Rapoldipark

Für Innsbruckerinnen und Innsbrucker ist der Rapoldipark eine grüne Oase zum Entspannen mitten in der Stadt. Hier treffen Familien verschiedener Kulturen auf Spikeball-spielende Studierende und ältere Menschen sitzen neben Geschäftsleuten auf der Bank. Viele sehen im Park aber auch unausgeschöpftes Potenzial, weil Kulturveranstaltungen immer noch Seltenheitswert haben. Das könnte sich durch das Krapoldi Festival ändern. Ein neues Kapitel im historischen Park?

Der Rapoldipark heute mit dem Brunnen im Vordergrund.
Der Rapoldipark liegt im Innsbrucker Stadtteil Pradl. 1908 pflanzte der Verschönerungsverein hier drei Eichen, die der Grundstein für den späteren Park waren. Der “Salige-Brunnen” wurde 1944 für die Gauhauptstadt entworfen. Einen Hinweis auf den nationalsozialistischen Ursprung findet man nicht.
© Lisa Prazeller
Das Gaswerk im Rapoldipark, Foto aus dem Jahr 1921
Lange beheimatete die Fläche des Rapoldiparks ein Gaswerk. 1974 wurde es abgerissen und zum Sillzwickel verlegt. Es entstand erstmals ein richtiger Stadtpark.
© Stadtarchiv Innsbruck
Eröffnungsfest im Rapoldipark 1983
Die feierliche Eröffnung fand erst Jahrzehnte später statt, 1983 durch Langzeitbürgermeister Alois Lugger. Benannt ist der Rapoldipark übrigens seit 1927 nach einem Innsbrucker Vizebürgermeister: Martin Rapoldi.
© Stadtarchiv Innsbruck
1982: Die Schachfelder gibt es heute nicht mehr. Lange Zeit waren die Schachspieler:innen ein fixer Bestandteil des Parks.
© Stadtarchiv Innsbruck
Sportplätze im Umbau im Rapoldipark.
Die Spiel- und Sportplätze am Nordrand des Parks werden aktuell neu gestaltet. Den Bauarbeiten ging ein Beteiligungsprozess mit Bürger:innen voraus. Übrigens: 1974 gab es auch schon eine Befragung der Bevölkerung zur Erweiterung des Parks.
© Lisa Prazeller
In Innsbruck hatte der Rapoldipark lange Zeit ein Imageproblem als unsicherer, öffentlicher Raum. Heute gehört er wohl zu den am besten überwachten Plätzen der Stadt.
© Lisa Prazeller
Die große Wiese im Rapoldipark in Innsbruck.
Im Zuge der Parkerweiterung wurde hier 1983 eine Freilichtbühne errichtet. Heute ist davon keine Spur mehr. Wird im Rapoldipark trotzdem ein neues Kapitel Innsbrucker Kulturgeschichte geschrieben? Das Krapoldi lässt hoffen.
© Lisa Prazeller